Der Weihnachtsmann und ich
Auch oder vielleicht weil Weihnachten schon vorbei ist, möchte ich jetzt mein Outing hier hinstellen:
Ich habe als Kind nie an den Weihanchtsmann geglaubt.
Nee, mir wurde von meiner Mutter nicht erzählt, dass da ein netter älterer Herr magischerweise die Geschenke bringt.
Ich hatte es aber nie vermisst und ich denke auch jetzt nicht, dass ich dabei etwas verpasst habe, denn ich habe etwas dabei gelernt.
Meine Mutter erzählte mir vom Weihnachtsmann, klar. Sie erzählte, dass es eine schöne Geschichte wäre, die man erzählt, weil es sein schöner Gedanke ist. Die Babies und manche andere Kinder bekamen das erzählt.
Da ich eben nicht an den Weihnachtsmann glaubte, dass er der alleinige Geschenkbringer war, verschenkte ich auch schon als Kleene Geschenke. (wie machen Kinder das eigentlich, wenn sie an den Weihnachtsmann glauben? Bekommen die nur Geschenke?)
Als ich ganz klein war, mussten alle, auch und vor allem die Kleinste, nämlich ich, raus aus dem Wohnzimmer und dann wurschtelte es, es raschelte, manchmal einige kleine “GRRRR” und “ba-zoinkk", dann wieder Rascheln und dann… endlich das Glöckchen!
Wir durften rein.
Ich war übrigens Weltrekordhalter im Schnell-Geschenke-aufreissen.
Als ich größer, vielleicht 6-7 Jahre war, war das, was mir dabei am besten gefiel, dass ich selber Weihnachtsmann sein durfte.
Nee, ich hab mir keinen Bart wachsen lassen. Ich durfte den Baum schmücken, später auch ganz alleine. Dann arrangierte ich alle Geschenke unter dem Baum, nach Leuten geordnet. Natürlich hatte ich vorher die Familie aus dem Zimmer gejagt. Nicht einmal der Weihnachtsmann oder das Christkind hätten reingedurft. Dann durfte ICH das Glöckchen bimmeln.
Das war schön.
Im Nachhinein denke ich, dass ich nichts vermisst habe ohne die Geschichte, die mir ja erzählt wurde, als wahr zu betrachten. Ich freute mich schon als Kind an den Geschichten vom Papa, der erkannt wurde und dem Weihnachts-Nachbarn, dem ein Schnäpschen angeboten wurde und der gleich die halbe Flasche geleert hatte. Nicht bei uns natürlich, sondern bei Bekannten.
Wenn der Weihanchtsmann erkannt wurde, freute mich das immer besonders, weil in meinen Augen die Kinder als leichtgläubig verkauft wurden und sie durchgeblickt haben.
“Bloß weil wa kleen sind, sind wa nich doof, ne?”
Hätten meine Eltern die Geschichte als wahr erhalten wollen, hätten sie mir dies nicht erzählen oder zeigen können.
Ich habe aber etwas gelernt: Es ist schön, auch schon als Kind in Weihnachten “voll mit drin” zu sein und auch beide Seiten zu haben. Es hat mir schon früh Spaß gemacht, die Geschenke zu machen und den Weihnachtsbaum zu schmücken.
Natürlich gibt es vielleicht Familien, wo die Kinder, die noch an den Weihnachtsmann glauben, das tun aber das hat einen anderen Ton für mich.
Wie ist das bei dir?
Gabs bei dir den Weihnachtsmann?
Wie fühltest du dich, als man dir die Wahrheit erzählte?
Das würde mich brennend interessieren.