Damals, als die Mauer fiel
Nun isses schon zwanzig Jährchen her und ich kann mich noch an einiges erinnern, als ob es letze Woche war… da sich morgen der Tag eben rund jährt, möchte ich dir nun meine persönliche Geschichte des Mauerfalls erzählen.
Wisst ihr noch, was ihr am Abend gemacht habt, als die Mauer fiel???
Am Tag als die Mauer fiel…
genauer geagt, am Abend, als es passierte, war ich in meiner Stammkneipe.
Meiner Mutter, die wusste, wo ich war, rief mich an und stotterte mit bewegter Stimme: “Die Mauer… ist weg…” *gerührtschluchz*
Da ich wusste, dass sie sehr emotionell werden konnte über von ihr manchmal nur halb Verstandenes, beruhigte ich sie und dachte doch tatsächlich, dass das doch irgendwie gar nicht passieren könnte… jedenfalls nicht so schnell. 
Dann ging ich doch tatsächlich zu meinen Freunden zurück an den Tisch und erzählte nix davon…
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Am nächsten Tag hörte ich natürlich, dass sie schon Recht hatte… und fand mich ungeheuer blöd.![]()
In den nächsten Tagen strömten Horden von offensichtlichen Ossis (bei mir hat disese Bezeichnung nichts Negatives, ist halt kürzer als DDR-Bürger und nicht so trocken, also nich übelnehmen, bitte) mit staunenden Blicken durch die Schlossstrasse in Berlin-Steglitz, wo ich wohnte.
Sie liefen staunend wie durch ein Museum durch unsere Einkaufsstrasse. Ich begriff, wie exotisch unsere kleine Ecke doch für all diese Leute war…
Die Strassen waren so voll bei uns dass die Geschäfte durften auch sonntags geöffnet hatten, weil alle “mal rein wollten". Einige Läden hatten sogar an einigen Filialen Türsteher, die immer genauso viel neue Leute hereinliessen, wie herauskamen.
Wenn man nicht eine Stunde oder so anstehen wollte, hatte man keine Chance….was die Ossis geduldig taten, denn so waren sie’s gewohnt.
“Wir Wessis” (Ein Westberliner war kein Wessi in Berlin uuuhh!! Naain!! *UrGh*) nicht, und gingen notgedrungen zu den teureren Supermärkten… aber das war OK. Es war ja was Besonderes passiert.
Als ich es aber doch einmal geschafft hatte, in den Discounter zu kommen, griff plötzlich ein Mann in meinen Einkaufswagen und nahm sich etwas heraus, was im Regal nicht mehr zu finden war.
Als ich begreiflicherweise etwas blöd guckte, sagte er in charmantem(?) sächsisch, das ich eigentlich mag… “Was hassde denn, ihr wollded doch, dasss wir rübber gommen!”
*GrRRrr* Das fand ich doch ein bisschen arg… aber naja,
Für soviel Frechheit ließ ich ihn einmal gewähren. Ausserdem war es nichts, was ich unbedingt brauchte.
Aber eigentlich wollte ich dir ja von der Mauer selber erzählen:
Am Tag nach dem “Mauerfall” wollten wir uns das alles mal ansehen und fuhren mit einigen Leuten in Richtung Brandenburger Tor. Je näher wir kamen, desto chaotischer wurde es… wie auf einem Popkonzert oder so… kein Durchkommen.
Geschickt wurstelte ich mich durch und war an der Mauer. Ich wollte eigentlich gar nicht heraufklettern (ich bin doch kein Gecko…), doch ich sah nur hoch und es streckten sich mir Dutzende Hände entgegen, die mir herauf helfen wollten. Ich nahm kurz entschlossen an und *schwupps* stand ich auf der Mauer, direkt am Brandenburger Tor.
Ein Wahnsinnsgefühl!!
Die Mauer war viel breiter, als ich mir das vorgestellt hatte… mindesten 2,50m würde ich nach 20 Jahren mal schätzen…
…und es stand auch ein Tisch drauf, mit zwei Stühlen und einem Kerzenständer drauf 
Alle tanzten, johlten oder freuten sich einfach. Ich lief im Slalom um Leute einfach eine Weile die Mauer entlang. Als ich wieder runter wollte, half man mir genauso selbstverständlich.
Noch nie hatte ich so eine Atmosphäre zuvor erlebt… da war keine Barriere wie normalerweise zwischen Fremden und auch kein gekünsteltes “Jetzt machen wir etwas zusammen", es war so, als ob man sich lange kennt, einfach in der Gemeinschaft drin ist… das war für mich, eher eine Aussenseiterin, unvergesslich.
Später fuhr ich noch mit der (sonst nicht öffentlichen) Magnetbahn auf der damaligen Teststrecke, um wieder nach Hause zu kommen. Es wurden halt alle Busse und Bahnen genutzt, um Leute zu transportieren.
Tickets? Wer danach gefragt hätte, wäre umgetrampelt worden.
In der Magnetbahn erzählte mir ein schwitzender, aufgeregter Ossi, dass er sich wohl einige Rippen im Gedränge gebrochen hätte, doch er wollte erstmal zum Kudam, sich alles ansehen, wer weiss, ob alles so bleibt.
Es war so voll, dass man die Beine hätte hoch nehmen können und nicht runtergefallen wäre.
Etwa zwei Tage späer, als unsere normalen BVG-Busse durch Reisebusse ergänzt wurden, weil es einfach nicht genug Busse gab, wurde mir besusst, das dies Tage sind, die die Kinder später in der Schule lernen müssen.. Und ich war ein Augenzeuge!
Es war eigenartig, wie schnell die so lange unüberwindbare Mauer dann spurlos verschwand.. wir suchten einmal nur wenige Monate danach ganz vergeblich nach Spuren… weg, wie eine Seifenblase…
Ich könnte dir noch viel mehr erzählen, aber nur soviel: Hier habe ich noch etwas mehr über mein persönliches “OSt/West” erzählt.